OSCOM ist eine internationale, nicht gewinnorientierte Organisation, die sich im Open Source Content Management Bereich engagiert. OSCOM wurde im Maerz 2002 als Meritokratie ins Leben gerufen.
Das Ziel ist eine Foerderung und zugleich eine Anaeherung von verschiedenen Denkweisen. Ausserdem soll als "Band of Brothers (and Sisters)" die Welt auf Open Source Content Management Projekte aufmerksam gemacht werden.
Obwohl sich die verschiedenen Open Source Content Management Projekte zum Teil direkt konkurrenzieren, entstand eine gesunde Gemeinschaft, wo jede Person ihre Rolle aufgrund von individuellem Wissen und Beitrag wahrnimmt.
Die Dualitaet von Cyber- und Meatspace hat sich bei der Bildung der OSCOM Gemeinschaft als besonders fruchtbar erwiesen, da sie eine Grenzueberschreitung zwischen den verschiedenen Open Source Content Management Gemeinschaften ermoeglicht.
Ich moechte mich herzlich bei der Fachhochschule Solothurn Nordwestschweiz und insbesondere bei Juerg Luthiger fuer die Einladung bedanken.
Eine kinderfreundliche Uebersetzung des Titels "Collaboration sucks" waere wohl "Zusammenarbeit ist muehsam". Bedeuten tut er aber eher "Zusammenarbeit ist Scheisse". Wieso dieser negative Titel (obwohl ich selber sehr aktiv in verschiedenen Open Source Communities mitarbeite)? An der OSCOM Konferenz in Berkeley (September 2002) trug Greg Stein ein T-Shirt mit der Aufschrift: "Your Open Source Project sucks" (Die Aufschrift ist nicht von Greg Stein. Leider habe ich vergessen von wem die Aufschrift stammt. NB: Typisches Verhalten von einer Person, die probiert sich im Open Source Bereich politisch korrekt zu verhalten: Immer alles referenzieren, denn was bleibt einem im Open Source Bereich ausser den Credits!). Zuerst fand ich die Aufschrift cool, aber dann begann sie mich zu verunsichern. Ist mein "eigenes" Open Source Projekt "Lenya" wirklich Scheisse? Ist die Organisation OSCOM, die zwar kein eigentliches OS Projekt ist, aber die Zusammenarbeit von verschiedenen OS Projeken im Content Management Bereich foerdern soll, eine Totgeburt? Nein, nein, nein. Oder doch? Greg Stein's T-Shirt bewegte mich auf jeden Fall dazu ueber "meine" eigenen Projekte nachzudenken. "Zusammenarbeit" spielt bei vielen Open Source Projekten und insbesondere OSCOM eine zentrale Rolle. Es kann deshalb entscheidend sein die Wirkungsweise der "Zusammenarbeit" zu verstehen. Der Titel soll deshalb vorallem zum Nachdenken anregen.
Bevor ich auf OSCOM eingehen werde, moechte ich Ihnen zuerst meine "Printer Story" erzaehlen. Nachdem ich mein Studium der theoretischen Physik an der ETH Zuerich abgeschlossen hatte, bin ich ans Max-Planck-Institut fuer Eisenforschung in Duesseldorf gegangen. Dort wurde ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt, mit dem Ziel eine Doktorarbeit ueber die numerische Modellierung von Dendritenwachstum zu schreiben. Meine Forschungsarbeit wurde im Rahmen der "COST 512 action" teilweise finanziert. COST steht fuer "Co-operation in the field of Scientific and Technical Research". Waehrend meiner Zeit am MPI stellte ich meine Ergebnisse an verschiedenen Meetings und Workshops vor. Dabei habe ich jeweils den Status der anderen COST Projekte erfahren. Eine eigentliche Zusammenarbeit fand aber nie statt. Ich empfand es als sehr frustrierend, dass anscheinend niemand zusammenarbeiten wollte (FRUST). Ich war einfach zu naiv um zu erkennen, was die wahren Gruende dafuer waren. Um doch meine Vorstellung der Zusammenarbeit zu verwirklichen habe ich in meiner Freizeit das "Journal of Pattern Formation" gegruendet. Die Idee war ein web-basiertes interdisziplinaeres Magazin, wo die Forscher Ihre Ideen und Resultate im Bereich der Musterentstehung publizieren koennen und damit zur Zusammenarbeit angeregt werden (Es ist wenig erstaunlich, dass die Theorien (und Computersimulationen) aus der Physik zum Beispiel auch auf biologische Phaenomene angewandt werden koennen). Nach einiger Zeit merkte ich, dass es sinnvoll waere das Layout vom Inhalt zu trennen. Ich schrieb ein kleines Programm in Perl, das mir die HTML Seiten aus einem Template heraus erzeugte.
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Zusätzliche Resourcen
Against the Grain: Getting Projects To Work Together Free / Open Source Research Community COST - European Cooperation in the field of Scientific and Technical Research |
Als ich nach circa drei Jahren meine Arbeit am Max-Planck-Institut im wesentlichen abgeschlossen hatte, ging ich zurueck in die Schweiz mit dem Ziel einen Postdoc in den USA zu machen. Um in der Zwischenzeit Geld zu verdienen, bewarb ich mich fuer einige Monate als Webmaster bei der "Neuen Zuercher Zeitung". Am 5. Januar 1998 begann ich bei der Redaktion von "NZZ Online" zu arbeiten (ein halbes Jahr zuvor wurde "NZZ Online" lanciert). Die "NZZ Online" Redaktion bestand aus drei Leuten. Ich hatte schreckliche Angst vor den Leuten der NZZ, da mir deren Gesinnung ziemlich fremd erschien. Zu meinem grossen Erstaunen funktionierte die Zusammenarbeit aber fast ohne Probleme. Sie respektierten mich, und ich respektierte sie (RESPEKT). Wir ergaenzten uns optimal. Waehrend meiner Freizeit probierte ich meine Doktorarbeit in LaTeX ins Reine zu schreiben. LaTeX ist eine wunderbare Sprache, aber die Transformation in HTML war ziemlich schrecklich. Ausserdem liess einem die Transformation keine Freiheit bezueglich einer flexiblen Informationsarchitektur. Dann entdeckte ich eine neue Welt bei alphaworks.ibm.com: MathML, TeXML und XSLT (NEUGIERDE). Ich dachte, dass das die Loesung all meiner Probleme sei (mittlerweile weiss ich, dass es noch nicht die Loesung ist, aber ein moeglicher Weg). Zur gleichen Zeit war im Zeitungsbereich der Begriff "Cross-Media Publishing" voellig hip. "Cross-Media Publishing" bedeutet: Aus einer Quelle verschiedene Formate zu erzeugen, beziehungsweise dieselbe Information auf verschiedene Art anzubieten. Ich fluesterte fortan nur noch: "Just one word: XML".
Nach einem Jahr verliess ich die NZZ und wir flogen nach Boston, da ich nun endlich meinen Postdoc machen wollte und meine Doktorarbeit abschliessen wollte. Drei Monate zuvor war unser erster Sohn "Levi" auf die Welt gekommen, was alles ziemlich veraendert hatte. Nach kurzer Zeit in den USA beschlossen wir, dass es fuer uns besser ist wieder in die Schweiz zurueckzukehren, und dass ich keinen Postdoc machen werde. Aufgrund meiner frustrierenden Erfahrungen in der Forschung und positiven Erfahrungen bei der NZZ fiel mir der Entscheid nicht besonders schwer. Wir blieben noch fast sechs Monate in Boston. Waehrend dieser Zeit startete ich XPS (Extensible Publishing System). Meine Idee war ein Content Management System in Java zu schreiben, das ausschliesslich auf XML und XSLT basiert. Im Sommer 1999 kamen wir zurueck, und ich gruendete mit zwei Freunden die Firma Wyona (offiziell wurde die Firma im Maerz 2000 im Handelsregister eingetragen). Die NZZ beauftragte Wyona im Herbst 1999 ein CMS fuer "NZZ Online" zu entwickeln. Sie vertrauten uns, Open Source und XML. Ich weiss heute noch nicht in welcher Reihenfolge. Im September 2000 ging das System live. Die Grundarchitektur hat sich seither nicht wesentlich veraendert. Die Konzepte haben sich fast alle bewaehrt. In diesem Fruehling wurde unser CMS als Apache Subprojekt akzeptiert. Wir haben es in "Lenya" umbenannt.
Man sieht, dass ich kein eigentliches Schockerlebnis hatte, sondern dass mich verschiedene Erfahrungen in die Open Source Welt getrieben haben. Treibende Kraefte waren fuer mich Respekt, Neugierde und Frust.
Vor circa zwei Jahren dachte ich, dass es interessant waere die verschiedenen Open Source Content Management Systeme zusammenzubringen. Natuerlich war (und bin) ich sehr ueberzeugt von "Lenya" (resp. zu dieser Zeit noch XPS) und hatte keine Angst das Projekt in Konkurrenz zu anderen zu stellen. Ich dachte, dass wir uns genuegend gut von den anderen abheben koennen. Im Spaetsommer 2001 fing ich an Leute von verschiedenen Open Source Content Management Projekten zur ersten Open Source Content Management Konferenz in Zuerich einzuladen. Die Rueckmeldungen dauerten zum Teil ewig. Wir hatten keine Ahnung von den meisten Projekten. Es waren voellig fremde Communities. Jede Zusage war ein riesiger Erfolg fuer uns. Die /ch/open und die ETH Zuerich haben uns bei der Organisation des Konferenzraumes grossartig unterstuetzt. Eric Wiseman hat den Harvard Professor Charles Nesson als Keynote Sprecher organisiert und ueberzeugte John Weir das Website Design der Konferenz zu gestalten. Eric Wiseman selber kam als Host an die Konferenz. Alle von Wyona haben mitgeholfen die Konferenz zu organisieren. Ohne diese freiwillige Zusammenarbeit waere die Konferenz wohl kaum zustande gekommen. Circa 100 Leute besuchten die Konferenz und die Teilnehmer schienen ziemlich viel Spass zu haben, aber ... es gab kein wirkliches Anzeichen zur Kollaboration zwischen den einzelnen Projekten. Eigentlich alle Projekte sahen sich als Konkurrenten (was sie ja auch waren). Und trotzdem, durch das Treffen im Fleischraum bekamen die Konkurrenten ein Gesicht, was zum Teil alles (oder wenigstens vieles) veraenderte.
Michael Wechner hat urspruenglich das Open Source Content Management System Lenya geschrieben. Seit dem Fruehling 2003 ist Lenya ein Apache Subprojekt. Die erste Open Source Content Management Konferenz in Zuerich wurde von Michael Wechner initiiert und im Rahmen von wyona.org und /ch/open organisiert. Michael Wechner is Praesident der not-for-profit Organisation OSCOM, die aus der ersten OS Content Management Konferenz heraus entstanden ist.