Bei proprietären CMS Anbietern steht seit einiger Zeit das sogenannte Enterprise Content Management (ECM) im Zentrum ihrer Marketinginitiativen. Dabei geht es um die Ein- und Anbindung von Content Management Lösungen an Unternehmensprozesse und entsprechende Softwarelösungen. Schlussendlich kann fast alles in einem Unternehmen mit Content Management in Verbindung gebracht werden, wie zum Beispiel E-Mail, Buchhaltung oder ein Telefonbuch. Das sogennannte Web Content Management ist nur ein kleiner Teil von ECM und der Aufwand zur Integration wird immer kleiner. Die Dienstleistung von Integrationsarbeit ist bei Open Source Anbietern ein wesentlicher Teil des Geschäftsmodells, da im Gegensatz zu proprietären Anbietern die Lizenzkosten in der Regel wegfallen. Die meisten Open Source Content Management Systeme werden als reine Web Content Management Systeme wahrgenommen, was aber nicht der Realität entspricht. Verschiedene Projekte bieten bereits seit einiger Zeit die entsprechende Funtkionalität und Schnittstellen an, wie zum Beispiel Dokumente- respektive Assetmanagement oder ERP und Portalschnittstellen. Die Forderung nach ECM Lösungen bietet eine grosse Weiterentwicklungs- und Wachstummöglichkeit im Open Source Bereich, wobei die entsprechende Umsetzung die Fähigkeit zur Dienstleistung bedingt.
Die meisten modernen Content Management Lösungen sind browser-basiert. Dies führt oft zu einem Bruch zwischen Desktop und Server. Die Desktopintegration ist ein entscheidender Faktor um im ECM Umfeld aber auch anderen Content Management Bereichen erfolgreich zu sein. Eine zentrale Rolle kommt dabei den Editoren zu. Die nahtlose (seamless) Anbindung von Editoren an die zentrale Inhaltsverwaltung auf dem Server oder an die verschiedenen Unternehmensprozesse ist eine grosse Herausforderungen. Viele Content Management Systeme verwenden browser-basierte Editoren, wie zum Beispiel Kupu oder BXE, die jedoch bei grösseren Dokumenten an ihre Grenzen stossen oder bezüglich Interaktivität zu wünschen übrig lassen. Obwohl der Netzwerkzugriff immer öfters von überall her möglich ist, bleibt vorerst auch das offline arbeiten und die damit verbundene Synchronisation eine Herausforderung. Die verschiedenen Protokolle wie zum Beispiel HTTP respektive WebDAV oder FTP reichen nicht aus um die nahtlose Anbindung von desktop-basierten Editoren wie zum Beispiel OOo zu ermöglichen.
Die Hoffnung ist, dass diese Lücke durch sogenannte Rich Internet/Web Applications (RIA) geschlossen werden kann. Mozilla hat schon vor längerer Zeit die User Interface Language (XUL) eingeführt, die die Entwicklung von RIAs im Rahmen von Mozillas Rendering Engine Gecko erlaubt. XUL und ähnliche Technologien, wie zum Beispiel XAML von Microsoft und MXML von Macromedia, erlauben es eine Bruecke zwischen Desktop und Server zu schlagen. Projekte wie zum Beispiel Twingle oder Inspezilla sind allererste Gehversuche, aber eine bessere Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Entwicklergemeinden wird nötig sein um das Kind wirklich zum Laufen zu bringen.
Auf der Server Seite wird die Trennung zwischen Content Repository und eigentlicher Content Management Applikation immer klarer. Die Einfuehrung solch einer Schnittstelle fördert die standardisierte Implementation von verschiedenen Content Repositories, respektive vereinfacht das Wechseln von einem in ein anderes Content Repository. Innerhalb der letzten drei Jahre wurde zum Beispiel fuer die Java Programmiersprache der Java Specification Request 170 (JSR-170) entwickelt, welcher die Schnittstelle zwischen der eigentlichen Applikation und dem Daten Repository, wie zum Beispiel einer relationalen Datenbank, definiert. Obwohl diese Schnittstelle ein Java spezifischer API ist, gibt es bereits Bestrebungen denselben API in anderen Programmiersprachen, wie zum Beispiel PHP, zu implementieren.
Viele Schwierigkeiten von Content Management Lösungen entstehen aus den Randbedingungen der bestehenden Softwarearchitekturen. Die Betriebssysteme, das Internet, die Client-Server Architektur, das HTTP Protokoll oder die Browser wurden nicht von einem überirdischen Wesen geschaffen, sondern von Menschen. Wir selber können diese Randbedingungen ändern und tun es auch, aber vielleicht zuwenig radikal.